Yannick Mittas: Multitalent auf dem Wasser

Yannick Mittas ist 2026 gleich mit zwei Fotos im Wingpassion Kalender vertreten.  Der Wahl-Kieler ist ein wahres Multitalent auf dem Wasser und nicht nur mit dem Foil unterwegs, sondern ist auch mit Finnen in allen erdenklichen Formen auf dem Wasser zu finden. Wir haben den Tausendsassa zum Interview getroffen.

(Titelfoto: Bulgenslag)

Du hast dir also wie so viele (mich eingeschlossen) deinen Studienort nach den Wassersportbedingungen ausgesucht?

Ja, absolut. Als mir klar war, dass ich Biologie studieren will, wusste ich, esmuss ans Meer. Glücklicherweise hat die CAU in Kiel meine Bewerbung angenommen. So bin ich hier und möchte auch gerne noch bleiben.

Was macht Kiel für dich so außergewöhnlich für Wassersportler?

Ich fühle mich in der Stadt so wohl, da sich meine sozialen Kontakte alle mit demselben Thema beschäftigen – der Liebe zum Wasser oder noch besser: der Liebe zum Wassersport. Jeder hat einen Van, jeder hat Bretter im Keller, jeder sucht die besten Bedingungen. Ich teile diese Begeisterung, und das hält mich in der Stadt. Auch die Größe von Kiel ist meiner Meinung nach perfekt, und die Nähe zu Dänemark und der Nordsee ist unschlagbar (Flensburg ausgenommen).

Wie und wann bist du zum Wingfoilen gekommen?

Mit Steffi (Wahl), Dominik, Friedel und Lina bin ich immer sehr viel Windsurfen in der Welle gewesen. Auf einmal hat Friedel einen Wing ausgepackt und gezeigt, wie das mit dem Foilen funktioniert. Das war Anfang April 2021 am Schönberger Strand, und ich meinte zu ihm, dass ich das probieren will und siehe da, es hat direkt funktioniert, und ich war hooked. Das Gefühl, über das Wasser zu fliegen und nichts außer den Wind zu hören, hat mich total berührt, und ich wollte das unbedingt in mein Wassersportrepertoire aufnehmen.

HIER findet ihr einen Beitrag über Steffi Wahl.

Yannick beim Cruisen in den Sonnenuntergang. Foto: Bulgenslag

Was ist das Besondere für dich beim Wingfoilen?

Wingfoilen braucht wenig Wind, und es macht trotzdem richtig Spaß. Man hat also viel Wasserzeit im Jahr. Auch ohne Welle kann man hochspringen, und wenn eine Welle sehr rund ist, kann man sie mit dem Foil trotzdem rippen. Das eröffnet ein riesiges Feld an neuen Möglichkeiten – das ist schon sehr besonders. Außerdem finde ich es cool, bei der Entwicklung, die so schnell geht, hautnah dabei zu sein.

Meinst du, es ist leichter, Wingfoilen zu erlernen, wenn man einen Background als Windsurfer hat?

Absolut! Ich denke, Windsurfer kennen die Wackelgeschichte am Anfang und kommen daher besser mit dem Dümpeln klar. Aber natürlich hilft auch das Windverständnis, das man dadurch mitbringt, ungemein.

Seit einer gewissen Zeit bist du Teil des 1001grad-Eventteams, welche u.a. die Winger of the Sea-Reihe organisieren. Was sind dort genau deine Aufgaben?

1001 Grad ist einfach klasse. Die Jungs haben etwas vermisst und gesagt: „Dann machen wir das eben selber“ – sehr mutig. Die Events machen unglaublich Spaß. Ich habe anfangs viel mit den Jungs zusammengearbeitet und immer mal wieder Aufgaben als Lehrer und aktiver Helfer bei Events übernommen. In letzter Zeit ist das leider weniger geworden, da ich anderweitig eingespannt bin. Trotzdem habe ich zum Beispiel auf dem Foilfestival 2025 in der Organisation unterstützt. Ich erinnere mich noch an das erste Wing-Event in Gröhwold, bei dem ich es irgendwie geschafft habe, im Freestyle den ersten Platz zu erreichen. Das war eine tolle Erfahrung, und ich bin sehr dankbar, dass ich das durch die Jungs Oli und Leon erleben durfte.

Hast du eine Ausbildung als Wingfoil-/Windsurf-Coach?

Ja, ich habe direkt nach meinem Abitur in Süditalien bei dem Unternehmen „Bluesoul“ eine fantastische Ausbildung genossen. Sie haben mich zum Cat-Segellehrer, Windsurflehrer und Tauchlehrer ausgebildet und mir unheimlich viele Skills beigebracht. Auch Rettungsschwimmer- und Erste-Hilfe-Kurse musste ich dort absolvieren. Ich habe meeresbiologische Projekttage geleitet, Schulklassen tauchen gezeigt, Seegrasproben gesammelt und diese mit den Schülern mikroskopiert. Das hat Spaß gemacht und mir den Grundstein für meine Zukunft gesetzt.

Foto: Bulgenslag

Normalerweise stellen wir diese Frage immer am Ende eines Interviews: Aber was ist dein ultimativer Tipp für das Erlernen der Halse beim Wingfoilen?

Es gibt viele Tipps und und Tricks – für jeden ist das individuell. Mein Motto dazu war: die Halse eng fahren. Das war gut, denn wenn man schnell im neuen Halbwindkurs ist, hat man auch schnell wieder Kurs-Stabilität. Im Vorwindkurs ist alles wackelig, und man fällt oft rein. Deshalb: eng drehen und schnell auf den Halbwindkurs kommen. Das hat mir jedenfalls sehr geholfen.

Ist es nicht manchmal furchtbar schwierig, ein Coach zu sein, wenn die Bedingungen so richtig gut sind und man eigentlich nur selbst aufsWasser möchte?

Natürlich ist das schwierig. Aber die perfekten Bedingungen zum Coachen sind meistens gar nicht die perfekten Bedingungen zum Surfen in der Welle. Ich mag es gern, wenn es sehr windig ist und große Wellen sind. Das finden die Schüler meistens nicht so gut, und der Unterricht ist natürlich auch besser bei gediegenen 16 Knoten statt 30 Knoten mit 2 Meter Welle. Aber einem Schüler etwas beizubringen, das ihm ein Grinsen ins Gesicht zaubert, ist unheimlich bereichernd. Und man ist ja trotzdem im Wasser und kann danach immer noch shredden gehen.

Ist es kompliziert, Wassersport, Studium und das Coachen unter einen Hut zu bringen?

Ich sehe das eher als Motivation. Der Wassersport ist eine gute Belohnung für erfolgreiche Arbeit. Wenn man studiert, braucht der Kopf auch mal Pause, und es gibt nichts Gesünderes, als diese Pause zum Wingen, Kiten, Surfen oder Windsurfen zu nutzen. Der Kopf wird frei, und der Körper bedankt sich nach dem vielen Sitzen. Das Coachen harmoniert auch gut mit dem Wassersport. Ich habe meine Lieblingssportart dennoch, um mich herum und kann auch vor und nach dem Kurs selbst raus. Insgesamt finde ich, dass alles gut ineinandergreift.

Yannick „ausnahmsweise“ mal mit Windsurfboard. Foto: Bulgenslag

Du warst im September beim Master of the Ocean Event in der Dominikanischen Republik. Bei dem Contest tritt man in fünf Disziplinen an: Surfen, SUP, Windsurfen, Kitesurfen und Wingfoilen Wie kam es dazu, dass du dort mitgemacht hast?

Christopher von der Surfschule „Südkap Surfing“ auf Sylt ist ein sehr guter Freund von mir und hatte den Kontakt zu Marcus, dem Manager des Wettkampfes, geknüpft. Das war vor drei Jahren, und ich bin damals mit Lina Erpenstein, Linus Erdmann und Tim Elter als deutsches Team angetreten. Das war unglaublich coole Erfahrung. Ich habe mich wie ein Top-Athlet gefühlt und bemerkt, dass Wettkämpfe für mich gut funktionieren. In diesem Jahr hat Marcus mich beauftragt, wieder ein deutsches Team zusammenzustellen. So kam es, dass ich mit drei guten Freunden wieder angetreten bin – sowohl als Team als auch als einzelner Competitor.

Welche war deine beste Disziplin?

Ich habe es ins Finale im Wingfoilen und auch überraschenderweise im Surfen geschafft. Ich bin mehr als zufrieden mit meiner Leistung und habe den 5. Platz belegt. Leider gab es am Ende zu wenig Wind, und Windsurfen sowie Kiten wurden nach dem Halbfinale beendet. Auch das Wingfoilfinale konnte am Ende nicht mehr ausgefahren werden. Ich denke aber, im Windsurfen und Wingfoilen habe ich meine Stärken gezeigt.

Eines der Fotos aus dem Wingpassion Kalender 2026 ist auch dort entstanden. Kannst du dich noch an die Situation erinnern?

Ja, natürlich. Das war ein klasse Tag an der Lagune „La Boca“ neben Cabarete. Viele Locals haben gegrillt, getanzt und getrunken. Eine familiäre und freundliche Atmosphäre herrschte am Beach, und die Locals haben uns behandelt, als wären wir ihre engsten Freunde. Friedel hat Wasserbilder gemacht und danach von den Locals erfahren, dass die Krokodile weiter flussaufwärts sind und die Haie nur selten bei Hochwasser in die Lagune schwimmen. Gut, dass er das vorher nicht wusste – sonst gäbe es keine Bilder vom Wasser an dem Tag.

Yannik in der Karibik. Foto: Bulgenslag, auch im Wingpassion Kalender

Ein weiteres Foto ist hier an der Ostsee entstanden. Wie war dort das Setting?

Dort bin ich spontan mit Friedel in Heidkate rausgefahren. Wir hatten Lust auf eine Session. Es ging einerseits um das gemeinsame Erlebnis auf dem Wasser und andererseits darum, Material für meinen Sponsor „Vayu“ zu entwickeln. Friedel wollte gerne von dem neuen Wing Bilder schießen. So kam alles zusammen, und wir hatten einen klasse Surftag an der Ostsee, wie so oft.

Yannik an der Ostsee. Foto: Bulgenslag, auch im Wingpassion Kalender

Beide Fotos hat Frithjof Blaasch, besser bekannt als Bulgenslag, gemacht. Seid ihr befreundet?

Ich kenne Friedel nun seit sechs Jahren, und er ist ein sehr guter Freund geworden, der mir ans Herz gewachsen ist. Unabhängig von seiner Leidenschaft für Wassersport und Fotografie schätze ich ihn sehr für sein soziales Wesen. Er ist einfach ein guter Mensch, den man gernhaben muss, und immer motiviert, die beste Welle in der Umgebung zu finden. Ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin – und dafür bin ich sehr dankbar.

HIER geht es zum Interview mit Frithjof Blaasch aka Bulgenslag

Auf dem Ostsee-Foto ist auch gut zu sehen, wie das Seegras nur so umherfliegt. Was machst du, wenn das Seegras so richtig nervt im Sommer?

Ja, das kann einem schon die Session vermiesen. Aber wir können es leider nicht ändern. Was ich oft mache: einfach weiter draußen fahren, da ist in der Regel weniger Seegras. Und wenn es ganz schlimm ist und der Wind nicht zum Windsurfen reicht, dann muss ich wohl oder übel kiten gehen. Macht natürlich auch sehr viel Spaß.

Ist es für dich manchmal schwierig, dich für eine Wassersportart zu entscheiden? Wie fasst du den Entschluss, mit welchem Spielzeug du aufs Wasser gehst?

Ja, das habe ich öfter. Aber das Tolle an der Vielseitigkeit ist ja nun mal, dass man seine Wassersportart an die Bedingungen anpassen kann. Klar ist: Bei wenig Wind gehe ich Wingfoilen. Wenn es knallt, klebt mein Windsurf-Waveboard unter den Füßen. Aber ich entscheide das auch nach meinen Freunden, mit denen ich auf dem Wasser bin. Ich habe einige Uni-Freunde, die viel kiten gehen, dann schnapp ich mir auch meinen Kite. Und es gibt immer Phasen: mal will ich am Pushloop feilen, mal neue Tricks auf dem Foil ausprobieren. Aber eigentlich ist es egal, was ich nehme, Hauptsache aufs Wasser und das Gefühl grenzenloser Freiheit genießen.

Yannik ist auch mal mit Finnen unterwegs. Foto: Meerlicht Fotografie

Bist du das ganze Jahr über an der Ostsee oder zieht es dich auch mal woanders hin? Wie sieht ein typisches Jahr bei dir aus?

In den letzten Jahren habe ich Lina viel auf ihren Reisen begleitet. Im Sommer waren wir oft auf den Kanaren, haben Roadtrips nach Galizien und Portugal gemacht und im Winter gerne mal mit dem Van in Tarifa vorbeigeschaut. Diesen Frühling durfte ich meine Grenzen in den Wellen von Chile testen und ich muss sagen: der Pazifik ist noch mal etwas ganz anderes.

Ich liebe aber auch Dänemark und generell die Nordsee. Man muss nicht um die halbe Welt fliegen, um Premiumbedingungen zu finden. Oft reichen zwei Stunden im Auto oder ein Trip am Wochenende nach Dänemark mit den engsten Freunden. Die Reisen sind am Ende doch immer am schönsten.

Letztes Jahr habe ich drei Monate für Chris von Südkap Surfing auf Sylt gearbeitet und ich glaube, Sylt ist der beste Surfspot Deutschlands.Ich war mehr als überrascht, wie viele gute Tage wir in diesen drei Sommermonaten hatten. Lehrkraft an einer Schule auf Sylt, das wär schon was für mich.

Was sind deine Lieblingsbedingungen beim Wingfoilen?

Schulterhohe Wellen machen natürlich sehr viel Spaß, und die Konsequenzen sind nicht so schlimm, wenn man mal fällt. Die Welle muss gar nicht steil sein, es reicht, wenn sie langsam bricht und über eine lange Distanz ihre Form hält. Wenn der Wind dann noch genau sideshore kommt und mit etwa 20 Knoten drückt, bin ich rundum glücklich. Das Schöne an dem Sport ist aber auch, dass man die Bedingungen nicht immer selbst aussuchen kann – das ist das Besondere. Man weiß nie, wie der Skatepark aussieht, in dem man heute rippen wird.

One foot off. Foto: Bulgenslag

Wo ist dein Lieblingsspot?

Das ist ganz klar Weißenhaus. Ein starker Weststurm, am besten über zwei Tage, mehr brauche ich nicht. Dort habe ich so viel gelernt und erlebt. Der Spot hat eine besondere Bedeutung für mich.

Du bist ja auf eine gewisse Weise mit Vayu verbunden. Bist du dort auch bei der Materialentwicklung involviert?

Ja genau, ich bin Teamfahrer bei Vayu seit Tag eins und liebe das Team, das Equipment und die ganze Ausstrahlung der Marke. Philip und Loris sind ganz vorne dabei, machen einen fantastischen Job und haben mich immer unterstützt. Gerade heute habe ich einen Testbericht für den Shaper der Vayu Boards, Lutz Graichen, geschrieben und ihm Feedback zum neuesten 70L Fly von Vayu (Freestyle/Freerideboard) gegeben. Ich versuche mich immer einzubringen. Viel zu verbessern gibt es oft gar nicht, das Equipment ist einfach erste Sahne!

Wie sieht deine persönliche Zukunft aus? Was hast du noch vor?

Nach meinem Biologiestudium habe ich beschlossen, noch ein Sportstudium zu machen. Ich möchte Lehrer werden und an Gymnasien Biologie und Sport unterrichten. Das ist ein großer Schritt. Mit 29 ein neues Studium zu beginnen erfordert Commitment und viel Vertrauen in die eigene Entscheidung. Aber ich habe keine Zweifel, dass es der richtige Weg ist.

Ich möchte nächstes Jahr in der Dominikanischen Republik zeigen, dass auch ein Platz auf dem Treppchen für eine deutsche „Kartoffel“ möglich ist.

Es gibt noch so viel zu entdecken. Am liebsten würde ich jede Welle der Welt kennenlernen. Aber Stück für Stück. Solange ich meine Freunde und den Wassersport um mich herumhabe, geht es mir gut, und das ist das Wichtigste.

Yannick, vielen Dank für das Interview und alles Gute!

HIER geht es zu Yannick Mittas Instagram-Account.

Wenn ihr Yannicks Action und die von noch vielen anderen auch an der Wand hängen haben wollt, dann könnte ihr euch HIER den Wingpassion Kalender 2026 bestellen.

Nach oben scrollen