Steuern und Lenken

Wingfoilen – Wie lenken wir uns und das Board?

Grundlegend sind für das Steuern und Lenken zwei Situationen zu unterscheiden:

  1. Das Foil ist noch nicht aktiviert, wir befinden uns kniend oder stehend auf dem schwimmenden Board. Der Widerstand des Wassers sind in dieser Situation noch recht hoch, das Board anfällig für Strömung und Wellen.
  2. Das Foil ist aktiviert und wir fliegen! In dieser Situation ist (plötzlich) alles ganz leicht. Der Widerstand durch das Wasser ist minimal und es ist wesentlich einfacher, gegen Wind und Wellen anzufahren.

Das Prinzip der Lenkung ist in beiden Situation grundsätzlich gleich. Der wesentliche Unterschied resultiert aus der höheren Trägheit und damit der Anfälligkeit für Strömung und Wellen, solange wir noch nicht fliegen.

Lenken mit Wing und Board

Um zu steuern haben wir den Wing und das Board. Durch die Veränderung der Stellung von Wing und/oder Board zum Wind können wir die Richtung bestimmen und lenken. Die Stellung des Wings beeinflussen wir natürlich mit den Armen und Händen. Die Stellung des Boards im Wesentlichen durch die Hüfte, Beine und Füße. In der Regel gehen beide Bewegungen miteinander einher und sollten natürlich aufeinander abgestimmt erfolgen.

Schwierig und spannend macht es die Tatsache, dass wir beides, den Wing und das Board, in quasi jede beliebige Richtung bewegen können – und viele der möglichen Richtungen werden tatsächlich auch für die unterschiedlichen Manöver und Techniken benötigt.

Hier ein paar grundlegende Regeln für das Steuern und Lenken beim Wing-Surfen und Wing-Foilen. Dabei wurden die Einzelbewegungen „künstlich auseinandergenommen“. Auf dem Wasser geht alles „Hand in Hand“ oder besser „Hand-in-Hüfte und Fuß“. 🙂

Steuern über den Wing

Das Steuern über den Wing erfolgt über die Stellung der Arme. In der Ausgangsstellung ist der vordere Arm nach vorn oben gestreckt, der hintere Arm befindet seitlich vom Körper und zeigt leicht, angewinkelt ebenfalls eher nach oben.

Über die folgenden Stellungen des Wings können die Richtung und auch die Geschwindigkeit beeinflusst werden:

  • „Wing auf“, also die hintere Hand seitlich vom Körper weg gestreckt, sorgt für weniger Geschwindigkeit und abfallen (wir fahren mit dem Wind).
  • „Wing zu“, also die hintere Hand zum Körper gezogen, sorgt für mehr Geschwindigkeit und anluven (wir fahren eher gegen die Windrichtung).
  • „Wing eher waagerecht“, also vordere und hintere Hand auf eher der gleichen Höhe, wobei die vordere Hand immer höher sein sollte; die Mitteltube oder der Boom sind nahezu waagerecht. Den Wing waagerecht halten unterstützt das Geradeausfahren und das Anluven.
  • „Wing-Neigung nach oben“, also die vordere Hand befindet sich deutlich über der linken Hand. Den Wing nach oben neigen unterstützt das Abfallen und das (ggf. beschleunigte) Fahren mit dem Wind.
  • „Wing-Neigung nach unten“, also die vordere Hand befindet sich deutlich unter der linken Hand. Den Wing nach unten neigen unterstützt ebenfalls das Abfallen, gleichzeitig wird dadurch auch beschleunigt. Auf dem Foil kann ggf. das schnelle Absinken unterstützt werden. Diese Stellung ist recht schwierig, weil der Wing dazu neigt, sich Richtung Wasser zu bewegen und Gefahr läuft einzutauchen. Sie ist daher für Anfänger nicht zu empfehlen.
  • „Wing höher, über dem Kopf“ sorgt für „Uplift“ und verringerte Geschwindigkeit. Der Druck wird aus dem aus dem Wing genommen und zugleich Auftrieb erzeugt. Häufig wird diese Position zum Einleiten und Durchführung von Manövern wie Halse oder Wende eingenommen.
  • „Wing tiefer, seitlich vom Körper“ sorgt für eine ruhige, ggf. schnellere Geradeausfahrt und unterstützt das Höhelaufen.
Wingpositionanluvenabfallenschnellerlangsamerupliftdownlift
Auf
Zu
Waagerecht
Neigung nach oben
Neigung nach unten
Über den Kopf
Tiefer, seitlich
Stellung des Wings zur Beeinflussung von Richtung und Geschwindigkeit

Steuern über das Board

Das Steuern über das Board erfolgt vor allem über die Drehung der Hüfte und die Stellung der Beine. In der Ausgangsstellung stehen wir seitlich und leicht nach vorne orientiert auf dem Board. Der vordere Fuße steht seitlich versetzt auf der Luv-Seite des Boards, in etwa im 45-Grad-Winkel zur Längsachse des Boards. Der hintere Fuß steht im hinteren Bereich des Boards im 90-Grad-Winkel zur Längsachse des Boards. Die Knie sind leicht gebeugt.

Die folgenden Bewegungen und Richungsänderungen sind relevant:

  • „Boardnase in den Wind“ erfolgt durch Drehen der Hüfte in Luv-Richtung, also gegen den Wind (amwind). Die Geschwindigkeit wird dadurch ggf. reduziert.
  • „Boardnase aus dem Wind“ erfolgt durch Drehen der Hüfte in Lee-Richtung, also mit dem Wind (downwind). Die Geschwindigkeit wird dadurch in der Regel erhöht.
  • „Boardnase hoch“ erfolgt durch Belasten des hinteren Beins; ggf. unterstützt durch ein Verschieben des hinteren Beins in Richtung Boardende. Diese Bewegung wird regelmäßig zum Start und zur Aktivierung des Foils genutzt. Beim Fliegen kann sie zum Ausgleichen und Verbleiben in der waagerechten Flugposition dienen.
  • „Boardnase runter“ erfolgt durch Belasten des vorderen Beins; ggf. unterstützt durch ein Verschieben des vorderen Beins in Richtung Boardspitze. Diese Bewegung macht eigentlich nur Sinn, wenn du fliegst, das Board sich also in der Luft befindet. Dann kann sie zum Ausgleichen und Verbleiben in der waagerechten Flugposition oder auch zum „Landen“ genutzt werden.

Wie bereits betont, erfolgen die Bewegungen von Wing und Board nie unabhängig voneinander. Sie gehen naturgemäß und häufig (mehr und mehr 😉 ) intuitiv miteinander einher.

Natürlich gibt es häufiger ungewollte Situationen, die vor allem Anfänger zu schaffen machen können:

  • der Wing dreht sich auf den Rücken
  • die Tipps bzw. Enden des Wings tauchen während der Fahrt ins Wasser ein und ziehen ihn nach unten

Wie wir damit umgehen, haben wir hier erklärt: Den Wing beherrschen.

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Hier geht’s weiter: Den Wing beherrschen