Windrichtungen-und-Kurse

Den Wind verstehen

Wind- und Fahrtrichtung – Wohin kann ich fahren?

Als Einsteiger fragen sich manche: In welche Richtung kann ich eigentlich fahren? Das geht doch bestimmt nur in die gleiche Richtung, in die der Wind bläst, oder?

Tatsache ist: Du kannst in fast alle Richtungen fahren, nur nicht direkt gegen den Wind! 🙂

Der Wind gibt die Richtung vor und stellt die zentrale Orientierungsgröße dar. Dabei spielt die Himmelsrichtung erst einmal keine Rolle. Wir müssen also niemandem sagen können, ob der Wind aus Nord, Süd, Ost oder West kommt.

Ausgehend von der Windrichtung werden die Fahrtrichtungen oder Kurse wie folgt bezeichnet:

  • Fährst du direkt vor oder mit dem Wind, so nennt man das Vorwind-Kurs.
  • Fährst du seitlich mit dem Wind, heißt das Raumwind-Kurs.
  • Fährst du seitlich zum Wind, ist das ein Halbwind-Kurs.
  • Fährst du seitlich (fast) gegen den Wind, bezeichnet man das als Am-Wind-Kurs.

Windrichtung, Kurse und Manöver sind in der folgenden Abbildung verdeutlicht:

den wind verstehen - kurse beim wing-surfen
Den Wind verstehen – Windrichtungen, Kurse und Manöver beim Wing-Surfen

Die Fahrtrichtungen und Kurse beim Wing-Surfen

Beim Wing-Surfen z.B. auf dem SUP und ohne Foil fahren wir in Verdrängerfahrt mit vergleichsweise viel Luft- und Wasserwiderstand. Beim Wing-Foilen ist das anders, der Widerstand wird auf ein Minimum reduziert. Dies gibt deutlich mehr Spielraum und ermöglicht uns, recht weit „gegen den Wind“ zu fahren. Auch wenn wir beim Wing-Foilen viel mit dem Wind und den Fahrtrichtungen spielen können, ist es gut, die verschiedenen Kurse zu kennen und diese bewusst einsetzen zu können.

Die Fahrtrichtungen bzw. Kurse stellen naturgemäß unterschiedliche Anforderungen an den Fahrer und bringen unterschiedliche Ergebnisse. Grundsätzlich kann man sagen:

Durch Wind und Welle treiben wir automatisch ab und verlieren Höhe. Deshalb fahren meist wir einen Halbwind- oder Amwind-Kurs. Damit können wir Höhe laufen und diese Abfall-Tendenz ausgleichen. Außerdem hilft es uns, genügend Raum für Manöver zu haben und am Ende trotzdem wieder am Ausgangspunkt anzugelangen.

Raumwindkurs

Der Raumwindkurs ist im Grunde der Startkurs, wenn wir auf’s Foil kommen. Zumindest in Situationen, in denen wir nicht überpowert fahren, lässt man sich gerne zunächst leicht abfallen, um Geschwindigkeit aufzunehmen und das Foil zu aktivieren. Genau dies ist das Charakteristikum des Raumwindkurses: Geschwindigkeit. Es ist der schnellste Kurs, weil die Mischung aus Vortrieb und Widerstand optimal ist. Leider führt dieser Kurs downwind und damit weit vom Ausgangspunkt weg. Dies erfordert, dass man anschließend mühsam wieder zurück kreuzen muss (also auf Amwind-/Halbwindkurs im Zickzack fahren). Daher besser anders herum: Erst mit Amwind-/Halbwindkurs Höhe laufen, dann Downwind auf Raumwind- oder Vorwindkurs.

Raumwindkurs beim Wingfoilen

Amwindkurs

Durch Anluven können Wind(!)surfer bis maximal 45 Grad gegen den Wind ansegeln. Das Foil und die Technik beim Wing-Foilen machen hier noch viel mehr möglich – vor allem bei stärkerem und konstantem Wind. Dennoch ist der Amwindkurs, gerade bei weniger und unstetigem Wind, durchaus anstrengend. Man muss fortlaufend aufpassen, dass man nicht zuviel anluvt und versehentlich eine Wende einleitet oder völlig an Fahrt verliert. Die Segelkraft erzeugt vergleichsweise viel Abdrift und wenig Vortrieb. Es gilt die Balance zu halten zwischen ausreichend Vortrieb und Höhelaufen. Häufig muss man zwischendurch abfallen um wieder mehr Fahrt aufzunehmen. Das kostet durchaus Kraft und man verliert wieder an Höhe. Es ist daher besser, nicht den maximal möglichen Amwindkurs zu fahren, sondern lieber etwas abzufallen und damit mehr Geschwindigkeit und weniger Abdrift zu erreichen.

Amwindkurs beim Wingfoilen

Halbwindkurs

Der Halbwindkurs verläuft in etwa quer, also im 90-Grad-Winkel zur Windrichtung. Es ist ein angenehmer Kurs, weil die Geschwindigkeit recht hoch ist und wir vergleichsweise wenig Kraft aufwenden müssen. Der Druck im Wing ist relativ gering und man muss im Vergleich zum Amwindkurs nicht zu sehr aufpassen. Die Gefahr zu übersteuern ist gering. Außerdem führt der Halbwindkurs wieder zum Ausgangspunkt zurück – aufgrund der Abdrift muss es notwendigerweise eher ein Halbwindkurs mit Tendenz zum Amwindkurs sein.

Halbwindkurs beim Wingfoilen

Vorwindkurs

Der Vorwindkurs führt direkt vor dem Wind nach Lee. Anders als man als Einsteiger vielleicht vermutet ist dies der langsamste Kurs, obwohl man ja vermeintlich die gesamte Kraft des Windes aufnimmt. Warum ist das also nicht so? Tatsächlich wirkt der Wing vor dem Wind wie eine Wand – er bremst! Zum Glück ist der Wing, anders als das Segel beim Windsurfen nicht fest mit uns oder dem Board verbunden. Daher können wir ihn runter nehmen (auf Neutral stellen) und den Windwiderstand fast auf Null senken. Nur haben wir dann auch keinen Vortrieb durch den Wind mehr. Das Foil macht es glücklicherweise möglich, dass wir dennoch spannende Vorwindkurse fahren können, indem wir die Welle nutzen und auch die Möglichkeit zu pumpen, wodurch wir den Vortrieb aufrechterhalten können. Dies erfordert allerdings schon etwas mehr Gefühl für das Foil und technisches Können.

Vorwindkurs beim Wingfoilen

Die Manöver beim Wing-Surfen

Wenn wir nun einen Richtungswechsel durchführen wollen, müssen wir uns ebenfalls an der Richtung des Windes orientieren.
Es gibt zwei grundlegende Manöver (Basis-Manöver): 1. die Halse und 2. die Wende.

Für die Halse lassen wir uns abfallen. Wir wechseln aus dem Amwind- oder Halbwind-Kurs in den Raumwind-Kurs und drehen uns mit dem Rücken durch den Wind. Tatsächlich kann man das Manöver sehr langsam durchführen oder auch unterbrechen und während des Manövers eine längere Zeit den Vorwindkurs fahren. Beim Wing-Foilen macht man dies gerne in der Welle oder mit kurzen „Pump-Einlagen“. Das Manöver wird dann auch „Durchgepumpte Halse“ oder „Pump Jibe“ genannt.

Die Wende funktioniert im Prinzip umgekehrt zur Halse. Wir luven an und gehen ggf. aus dem Halbwind-Kurs in den Amwind-Kurs. Ziel ist es, die Seite des Windes zu wechseln und in den entsprechend „andersseitigen“ Abwind-Kurs zu kommen. Dafür ist es wichtig, zunächst genügen Geschwindigkeit aufzubauen, um dann schnell mit der Spitze des Boards durch den Wind zu drehen. Durch Abfallen bauen wir nach dem Manöver wieder Geschwindigkeit auf.

Beide Manöver haben wir hier ausführlich beschrieben.

Manöver_Halse_Wende_beim_Wingfoilen

Windstärke – Welche Einheiten? Wann kann ich Wingen?

Eine weitere wichtige Frage zum Wind lautet: Wieviel Wind brauche ich? Ab wieviel Wind kann ich Wing-Surfen bzw. Wing-Foilen gehen?

Verwirrend sind dabei oft die vielen unterschiedlichen Angaben von Windstärke und Windgeschwindigkeit: Beaufort (Bft), Knoten (kn), Kilometer pro Stunde (Km/h), Meter pro Sekunde (m/s).

Um die Stärke des Windes einteilen und unterscheiden zu können, nutzt man unter anderem die Beaufortskala. Sie ist benannt nach ihrem Urheber, Herrn Beaufort. Er hat sich vor einiger Zeit Gedanken darüber gemacht, wie man die Windstärke in der freien Natur in etwa abschätzen kann und eine Zuordnung erstellt. Dies sind die Windstärken in Beaufort (bft). Ausgehend von der Einteilung nach Beaufort (Bft) sind in der folgenden Tabelle die Windgeschwindigkeiten in kn, Km/h sowie m/s aufgeführt. Ergänzend auch die Beschreibungen der Wind-Wirkung an Land und auf See.

Beschreibung von Windstärke und Windgeschwindigkeiten_s
Beschreibung von Windstärke und Windgeschwindigkeiten

Welche Windstärke bzw,. Windgeschwindigkeit ist nun geeignet für das Wing-Surfen oder Wing-Foilen?
Hier die Anwort: Für das Wing-Surfen bzw. Wing-Foilen sind Windstärke 4 bis 6 zu empfehlen. Das entspricht etwa 11 bis 27 Knoten. Darüber und darunter ist prinzipiell natürlich auch möglich. Es bedarf aber einer ausreichenden Erfahrung und auch entsprechend kleiner oder großer Wings sowie ggf. angepasste Foil-Größen.


Wind & Wing – Welcher Wing passt zu welchem Wind?

Nun wissen wir, bei welcher Windstärke wir grundsätzlich aufs Wasser gehen können. Passt nun aber mein 5m2-Wing für jeden Wind? Oder, wenn ich über mehrere Wings verfüge: Welcher Wing bzw. welche Wing-Größe passt zu welchem Wind?

Die Antwort lautet: Es kommt darauf an… Und zwar auf dein Gewicht, deine Könnensstufe, die Windstärke sowie weiter Bedingungen wie Welle, Windböen etc.

Folgende allgemeine Richtlinie für Einsteiger bietet eine Orientierung:

Ein ca. 75 kg schwerer Einsteiger bei mäßigem Wind sollte nehmen:

  • ca. 110 Liter Wing Foil Board
  • Foil mit 75 cm Mast und 1800 cm2 Fläche
  • 5 qm Wing

Ein schwerer Einsteiger mit >85 kg Körpergewicht bei mäßigem Wind:

  • ca. 130 Liter Wing Foil Board
  • Foil mit 2500 cm2 Fläche oder mehr
  • 6 qm Wing

Die einzelnen Wing-Hersteller geben in der Regel Empfehlungen, welche Quadratmetergröße ihrer Wings für welche Windstärken bzw. Windgeschwindigkeiten ausgelegt oder zu empfehlen sind.

Für einen fortgeschrittenen Fahrer mit ca. 75 kg Körpergewicht können folgende Richtwerte herangezogen werden:

Wing-Größe2 m23 m24 m25 m2
Wind-Range22-35 ktn
6-7 bft
39-61 km/h
20-30 ktn
5-6 bft
29-49 km/h
14-22 ktn
4-5 bft
15-38 km/h
10-17 ktn
3-4 bft
19-28 km/h
Wing-Größen und Windgeschwindigkeiten

Anfänger sollten im Zweifel lieber etwas überpowert fahren und beispielsweise erst ab ca. 14 Knoten mit einem 5er Wing auf’s Wasser gehen.