Kaufberatung: Wing-Boards

Der Aufbau (Bauweise) eines Wing-Boards

Das Wing-Board, bzw. genauer Wing-Foil-Board, ist das Gerät, auf dem ihr steht und über welches ihr die Richtung eurer Fahrt bzw. eures Fluges steuert. Es stellt zugleich die Verbindung mit dem Hydrofoil her.

Das Board ist euer Lenkrad für das Foil. Theoretisch könnte man auch nur ein Holzbrett auf dem Foil montieren, um übers Wasser zu fliegen. Aber vor dem Flug übers Wasser müsst ihr erst einmal auf dem Wasser starten und dafür reicht ein Holzbrett dann doch nicht. 🙂 Wie der Start funktioniert, erfahrt ihr hier.

Die Basiskonstruktion eines Wingfoilboards ist identisch mit der von SUP- oder Windsurfboards. Die Form wird durch einen Styroporkern bestimmt, auf diesen werden Hartschaum-Sandwichplatten aufgebracht. Zum Schluss wird das Ganze mit Glasfaser-, Carbon- oder Kevlarmatten und Harz laminiert. Je nach den gewünschten Eigenschaften (Gewicht, Robustheit) wird der Anteil der Materialen angepasst. Pauschal kann man sagen, je leichter und robuster desto teurer ist das Board.

Als zweite Bauweise gibt es noch sogenannte “Inflatables“. Diese Boards werden wie eine Luftmatratze aufgepumpt (verfügbar bisher z.B. von Gong, Naish, Indiana oder F-One). Auch diese Konstruktionsart kennt man von manchen SUP-Boards. Die Aufnahme für das Foil ist hierbei durch eine massive Carbonplatte verstärkt. Der Vorteil ist das geringe Packmaß beim Transport. Die Steifigkeit eines „normalen“ Boards erreichen die inflatebles aber noch nicht ganz. Das ist auch der Grund, weswegen die meisten Wingfoiler ein „normales“ Board bevorzugen.
Das Deck aller Boards ist mit einer weichen Standfläche, dem sogenannten Pad, ausgestattet.

Des Weiteren befinden sich diverse Befestigungsmöglichkeiten für die Fußschlaufen auf dem Deck. Das Thema Schlaufen wird weiter unten ausführlicher erläutert.

Für den Transport zum Wasser befindet sich mittlerweile bei fast allen Boards eine zusätzliche Griffmulde auf der Unterseite des Boards. Bei manchen Boards ist die Mulde auf der Oberseite auch schon eingespart. Tipps und Hinweise dazu, wie ihr die sperrige Kombination aus Board mit Foil und Wing zum/ins Wasser tragt, findet Ihr hier.

Auf der Unterseite, dem Unterwasserschiff, sind für die Befestigung des Foils zwei Schienen (sogenannte US-Box) parallel zu einander im Board eingelassen.

Für die Leash ist auf dem Deck am Ende des Boards ein kleiner Pin verbaut.

Die Funktionsweise eines Wing-Boards

Zwischen dem Board und dem Foil besteht eine feste und steife Verbindung. Schließlich wird über das Board der Flug des Foils kontrolliert. Durch Gewichtsverlagerung auf dem Board wird das Foil unter Wasser gesteuert. Um die Funktionsweise der Steuerung am besten zu verstehen, sollte man sich das Foil wie ein Unterwasserflugzeug vorstellen.

Wird der Bug des Boards belastet, erhöht sich automatisch auch der Druck auf die Vorderseite des Foil und das Unterwasserflugzeug setzt zum Sinkflug an. Belastet man das Heck, steigt das Unterwasserflugzeug nach oben. Genauso verhält es sich auch mit Kurvensteuerung. Wird die Steuerbordkante des Boards mehr belastet, sinkt der Steuerbordflügel des Unterwasserflugzeuges und es fliegt nach Steuerbord. Das gleiche gilt natürlich auch für die Backbordseite.

Neben der Steuerung des Foils dient das Board als feste Plattform in der Startphase, sozusagen als Startbahn und um bei zu wenig Wind in Dümpelfahrt an Land zu kommen.

Wing-Board-Arten

Grundlegend kann man drei Board-Konzepte unterscheiden: Crossover-/ Hybridboards, reine Wing-Foil-Boards, SUP-Boards.

Crossover-/ Hybridboards

Am Anfang eigneten sich alle Foilboards sowohl fürs Wing-Foilen als auch für SUP-Foilen. Ein großer Teil der Boards tut dies auch heute noch. Bei den neueren speziellen Foilboards sind das Heck, der Bug sowie die Kanten abgeschrägt und gerundet, um den Steigflug zu erleichtern bzw. eine Landung verzeihend abzufangen ohne gleich zu verkanten. Die Längen wurden so gewählt, dass man mit ihnen noch einigermaßen geradeaus paddeln kann, ohne sich die ganze Zeit im Kreis zu gehen. Einige Hersteller (z.B. Naish) bieten sogar Bretter an, die sich fürs Wing-Foilen, SUP-Foilen und Windsurf-Foilen eignen sollen. Grundsätzlich sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass ein Crossover auch immer Kompromisse beinhaltet, um den spezifischen Anforderungen der einzelnen Disziplinen zu genügen.

Reine Wing-Foil-Boards

Mittlerweile hat sich auch eine Gruppe gebildet die spezielle für die Belange des Wing-Foilen konstruiert wurde. Diese reinen Wing-Boards sind super kompakt. Der Grund dafür ist, dass ein Board mit zunehmender Kompaktheit immer agiler wird. Die geringen Ausmaße verringern das Gewicht, die Fliehkräfte und die Windanfälligkeit. Teilweise fängt das Board erst einige Zentimeter vor den vorderen Fußschlaufen an. Die extremsten Boards sind gerade einmal einen guten Meter lang.

Wie alle modernen Foilboards haben auch diese abgeschrägte und gerundete Kanten, Heck und Bug. Inzwischen gibt es in dieser Gruppe auch schon spezielle Boards für bestimmte Einsatzbereiche, wie z.B. Welle und Freestyle (z.B. Gong).

SUP-Boards

Manche normale SUP-Boards haben neben den Finnen auch noch eine Möglichkeit ein Foil zu befestigen. Diese Boards haben häufig keine abgeschrägten und gerundeten Flächen im Unterwasserschiff und sind auch länger als ein reines Foilboard. Aus Erfahrung können wir sagen, dass die meisten Leute, die ein solches Board hatten, dieses durch ein reines Foilboard aus einer der beiden zuvor beschriebenen Gruppen ersetzt haben. Leider gibt es die eierlegende Wollmilchsau auch bei den Boards nicht und die Anschaffung eines speziellen Foilboards macht Sinn.

Fußschlaufen

Auf allen Foilboards können Fußschlaufen montiert werden. Es gibt für die Montage zwei verschiedene Möglichkeiten: 3er-Setup (zwei Schlaufen vorne, eine hinten) und 2er-Setup (eine Schlaufe mittig, leicht schräg vorne, eine hinten).

Das 2er-Setup wird oft von fortgeschrittenen Wing-Foilern verwendet. Diese wechseln die Standposition nicht mehr, sondern fahren in die eine Richtung im normalen Stand und in die andere Richtung im “Switch-Stand”. Dadurch steht man vorne mittiger auf dem Board, was einem in vielen Manövern und in der Welle zugutekommt.

Einen Beitrag, wie sich die Positon der Schlaufen auf das Fahrverhalten auswirken und was am Anfang am besten ist, findet ihr hier.

Foilbefestigung

Bei der Befestigungsvorrichtung des Foils am Board haben sich mittlerweile die sogenannten US-Boxen durchgesetzt. Dabei handelt es sich um zwei Schienen die parallel zu einander im Board eingelassen sind. Sie verlaufen längs zur Fahrtrichtung. Pro Schiene werden zur Befestigung des Foil zwei Nutensteine (kleine Metallplättchen mit einem Gewinde) eingelassen. Das Foil wird dann mit vier Schrauben am Board montiert.
Einen Beitrag, wie sich die Positon des Foils auf das Fahrverhalten auswirken und welche Position am Anfang am besten ist, findet ihr hier.

Das richtige Wing-Board für Einsteiger

Einsteiger sollten mit einem größeren Board starten. Die Maßgröße hierfür ist weniger die Länge oder Breite, sondern das Boardvolumen in Liter. Für echte Neulinge empfiehlt sich ein Board mit einem Volumen, dass ca. 40 L über dem Eigengewicht liegt, z.B.: 80 KG Körpergewicht + 40 L = 120 L Boardvolumen. Wassersporterfahrene können sicher auch weniger Volumen für den Einstieg ins Wingfoilen wählen.

Das passende Wing-Board für Fortgeschrittene

Fortgeschrittene werden aus den oben beschriebenen Gründen tendenziell ein kleineres Board bevorzugen, ggf. auch ein spezielles Board, dass auf Welle oder Freestyle ausgerichtet ist. Als Richtgröße gilt hier zunächst Körpergewicht + 10 L. Mit zunehmendem Fähigkeitslevel kann das Boardvolumen auch kleiner werden. Auch 10-30 Liter unter dem eigenen Körpergewicht sind möglich. Allerdings muss man sich dann beim Starten erst einmal aus dem Wasser pumpen.

So wie Luca mit seinen ca. 75 KG auf einem 40 Liter-Board in dem folgenden Video: