Sofia Marchetti gehört zu den Athletinnen, die man im Wingfoil-Sport im Blick behalten sollte. Die Italienerin verbindet Leistung mit Persönlichkeit und bringt frischen Wind auf die internationale Bühne. Im Interview spricht sie über ihren Weg, ihre Ziele und das, was sie am Wingfoilen besonders fasziniert.
Hallo Sofia, wann und wo hast Du mit dem Wingfoilen angefangen? Hast Du vorher einen anderen Wassersport gemacht?
Vor genau vier Jahren habe ich hier in Italien, an meinem Heimatstrand, mit dem Wingfoilen angefangen. Davor habe ich Kitefoilen und Kitesurfen betrieben. Das alles begann dank meines Vaters – er hat mir diese wunderbare Leidenschaft vermittelt.
Noch bevor ich ins Meer ging, habe ich 14 Jahre lang Leistungsschwimmen trainiert, daher hatte ich schon immer eine enge Verbindung zum Wasser.
Was bedeutet Wingfoilen für Dich? Was fasziniert Dich am meisten daran?
Für mich ist Wingfoilen der Sport, der mir das Gefühl gegeben hat, wieder lebendig zu sein. Er hat mir geholfen, mich weiterzuentwickeln, reifer zu werden, neue Leute kennenzulernen und wirklich zu verstehen, was es bedeutet, seine Träume zu verfolgen – und stolz darauf zu sein, sie zu verwirklichen. Für mich ist Wingfoilen das Leben. Es ist in diesem Moment alles für mich. Es gibt mir das Gefühl, auf dem Wasser frei und glücklich zu sein, und gleichzeitig kann ich diese Gefühle mit den Menschen teilen, die ich am meisten liebe.

Du kommst aus Rom. Wir haben eine ganz besondere Verbindung zu unseren Home Spot. Ist das bei Dir auch so?
Mein Heimspot, „Maccarese – La Rambla“, wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen einnehmen – es ist mein Zuhause, daher wird er immer jeden anderen Spot auf der Welt übertrumpfen. Wenn ich unter meinen gewohnten Bedingungen surfe, fühle ich mich wohl, und gleichzeitig kann ich trainieren und Zeit mit meiner Familie verbringen, sogar im Wasser. Was ihn wirklich besonders macht, ist meine Familie.
Bist Du Vollzeit-Profi oder machst Du neben bei noch etwas anderes?
Ich würde mich als Vollzeit-Profi bezeichnen und gebe bei dieses Vorhaben alles – es wird immer mehr zu meinem Beruf.

Du bist schon mehrfach auf dem Treppchen gelandet im Worldcup in der Disziplin Freestyle. Wie bereitetest du dich auf deine Heats vor? Hat Du eine spezielle Routine?
In den Tagen vor einem Wettkampf gehe ich sehr strukturiert vor. Da ich ziemlich nervös sein kann, arbeite ich das ganze Jahr über daran, an Wettkampftagen gelassener und entspannter zu sein und bereit, 100 % zu geben. Ich halte mich an bestimmte Lebensmittel und befolge immer dieselbe Routine – es ist fast wie ein Aberglaube. An Wettkampftagen bin ich zwar nervös, aber es hilft mir sehr, wenn meine Freunde und manchmal auch meine Familie bei mir sind.
Hast Du ein spezielles Trainingsprogramm? Hast Du einen Trainer, der dich explizit vorbereitet?
Ich trainiere das ganze Jahr über, sowohl auf dem Wasser als auch vor allem an Land. Ich habe verschiedene Trainer, die mir helfen, an meinen Schwächen zu arbeiten, und außerdem eine tolle Gruppe von Freunden, die mich unterstützen und mir während meiner Trainingseinheiten auf dem Wasser Tipps geben.

Du trittst im Worldcup nur in der Disziplin Freestyle Wave an. Warum nicht auch beim Racing?
Als ich anfing, beim Weltcup im Freestyle anzutreten, habe ich mich auch im Racing versucht. Aber mir wurde schnell klar, dass das nicht mein Ding war – es hat mir keinen Spaß gemacht. Ehrlich gesagt finde ich es ziemlich langweilig und fühle mich dabei nicht frei. Dieses Gefühl habe ich erst richtig, wenn ich Freestyle oder Wave fahre.
Wie finanzierst Du deine Reisen zu den Worldcups?
Meine Reisen finanziere ich hauptsächlich dank meines Sponsors Naish. Aber am Anfang, in meinem ersten Jahr, war es allein meinen Eltern zu verdanken, dass ich um die Welt reisen und diese Reise beginnen konnte. Ich werde ihnen immer dankbar sein, denn ohne ihre Unterstützung wäre ich nicht dort, wo ich heute bin, und hätte nicht die Unabhängigkeit, die ich jetzt habe.
Fährst Du den gesamten Worldcup mit oder nur teile davon?
Natürlich werde ich am gesamten Wing-Foil-Worldcup teilnehmen und auch an einigen Parawing-Wettkämpfen.
Hast Du schon Pläne für die Zukunft?
Ich bin niemand, der allzu viel plant – ich lebe gerne im Hier und Jetzt und nutze jede Gelegenheit, die sich mir bietet. Ich arbeite zwar an einigen Projekten, aber im Moment möchte ich noch nichts verraten … ihr werdet es bald auf meinen Social-Media-Kanälen sehen!


Wie sehen Deine Lieblingsbedingung beim Wingfoilen aus?
Meine Lieblingsbedingungen sind 20–25 Knoten mit ein paar netten Wellen.
Wo ist dein Lieblingsspot?
Mein Lieblingsort ist Cumbuco in Brasilien.
Mit welchen Setup bist Du am liebsten unterwegs?
Meine bevorzugtes Setup ist von Naish: Siren 600 Frontwing, das neue Naish-Foil, ein 48er-Board und ein 3,5/4 ADX Nvision-Wing.
Bist Du bei deinen Sponsoren in der Materialentwicklung involviert? Worauf liegt dein Fokus?
Ja, ich bin an der Entwicklung beteiligt und sehr stolz darauf. Das Naish-Entwicklungsteam bittet mich immer um Feedback und lässt mich die Produkte vorab testen. Es ist ein großartiges Team, und ich bin sehr dankbar dafür. Ich konzentriere mich vor allem darauf, Feedback zu Freestyle-Ausrüstung zu geben, da ich hier mehr Erfahrung habe und wirklich dazu beitragen kann, die Produkte zu verbessern.

Du bist auch viel mit dem Parawing unterwegs. Wird in Zukunft der Parawing eine immer größere Rolle spielen?
Ich glaube, dass Parawing eine sehr wichtige Rolle spielen wird – es rückt immer mehr in den Vordergrund, und ich finde das großartig.
Wo siehst Du die Vorteile eines Parawings und wo die Vorteile eines normalen Wings? Machen sich die beiden überhaupt Konkurrenz?
Ich liebe Parawing. Gerade bin ich auf dem Weg nach Leucate, wo am 21.04.206 das erste GWA-Freestyle-Event startet, bei dem ich auch zum ersten Mal an einem Parawing-Wettkampf teilnehmen werde. Ich kann es kaum erwarten!
Beim Parawing kann man Fähigkeiten zeigen, die beim Wingen nicht immer zum Vorschein kommen. Für mich werden sie nie miteinander konkurrieren – es sind zwei völlig unterschiedliche Sportarten.

Was meinst Du, wo wird Wingfoilen in 10 Jahren sein?
Ich hoffe, dass Wingfoilen in 10 Jahren immer noch diesen großartige Momentum hat und dass die Marken es weiterentwickeln, ohne jedoch das Wesen des Sports zu verändern. Ich hoffe, dass diese „Einfachheit“ des Wingfoilens genau so bleibt, wie sie ist.
Das fragen wir alle unsere Interviewpartner/-innen. Was ist dein ultimativer Tipp für die Halse?
Behalte während des gesamten Manövers deine Geschwindigkeit bei – Geschwindigkeit ist das A und O. Bleib selbstbewusst, verlagere dein Gewicht nach vorne und lass deinen Körper der Drehung des Boards folgen. So kommst du aus der Kurve heraus und kannst mit Power im Wing wieder durchstarten.
Vielen Dank für das Interview, Sofia!
Schaut auch unbedingt auf dem Instagram Kanal von Sofia Marchetti vorbei: @sofi_wing_





