Der SEND IT Wingfoil Clash 2026 brachte Ende September Nachwuchsfahrer, erfahrene Wingfoiler und internationale Pros am AHOI CAMP auf Fehmarn zusammen. Boardercross-Premiere, vier Stunden Freestyle und jede Menge Community-Power machten das Wochenende zu deutlich mehr als einem klassischen Wingfoil-Contest.
Vom 25. bis 27. September traf sich die Wingfoil-Szene am AHOI CAMP in Altenteil auf Fehmarn zum SEND IT Wingfoil Clash 2026 – AIR & CROSS. Mehr als 50 Fahrerinnen und Fahrer hatten sich angemeldet, am Sonntag gingen allein im Freestyle 44 Teilnehmer aufs Wasser. Gefahren wurde in den Klassen U12, U14, U16, U19, Men und Women – Nachwuchs und erwachsene Fahrer waren damit Teil eines gemeinsamen Eventkonzepts.
Sportlich setzte der Clash auf zwei sehr unterschiedliche Säulen: ein speziell fürs Wingfoilen entwickeltes Boardercross-Format und einen Freestyle-Wettbewerb, der von Big Air über Surf Style bis hin zu New School und Wakestyle bewusst die ganze Bandbreite des Sports zeigen sollte.
Boardercross: Wingfoilen wird zum direkten Rennen
Schon am Samstag wurde es spannend. Bei wechselnden 12 bis 17 Knoten startete der erste Boardercross. Das Konzept erinnerte dabei eher an einen Mix aus Race, Hindernisparcours und taktischem Spiel als an ein klassisches Kursrennen.
Gestartet wurde vom Strand. Nach dem Beachstart ging es zunächst auf einen längeren Schlag zu einer Wendemarke. Auf dem Rückweg wartete eine schwimmende Barriere: springen oder die längere Ausweichroute um eine zusätzliche Boje nehmen? Danach folgte ein enger Bojenkurs.
Besonders ungewöhnlich wurde es auf den letzten Metern. Hinter einem definierten Bojentor durfte die Kraft des Windes nicht mehr genutzt werden. Pumpen, Gleiten oder sogar Paddeln waren angesagt, bevor es direkt vor dem Publikum zurück auf den Strand und durchs Ziel ging.
Am Samstag konnte ein kompletter Wertungsdurchgang beendet werden. Ein zweiter musste wegen nachlassenden Windes abgebrochen werden. Am Sonntag gelang bei Ostwind schließlich eine zweite vollständige Elimination. Dafür wurde der Kurs sogar spiegelverkehrt aufgebaut, sodass Regular- und Goofy-Fahrer beide Kursrichtungen erleben konnten.
Nach Angaben der Veranstalter wurde dieses Wingfoil-Boardercross beim SEND IT Wingfoil Clash erstmals in Deutschland als eigenständige Wettbewerbsdisziplin mit Wertung und Podiumsplätzen ausgetragen.
Das macht das Format spannend: Es lässt sich auch vom Strand aus unmittelbar verstehen. Wer führt? Wer nimmt das Hindernis? Wer wählt die sichere, aber längere Route? Und wer hat am Ende noch genügend Geschwindigkeit für die letzte Pump-Passage?






Freestyle: Big Air trifft Surf Style und Wakestyle
Nach dem zweiten Boardercross am Sonntag gehörte die Bühne den Freestylern. Rund vier Stunden lang wurde gefahren – begleitet von einer Live-Moderation, die Tricks, Anfahrten und technische Besonderheiten für die Zuschauer erklärte.
Das Interessante am Wertungskonzept: Der Contest wollte Freestyle bewusst breiter verstehen. Neben Höhe und Rotationen zählten technische Schwierigkeit, Style, Flow, Vielfalt, Kontrolle und der Gesamteindruck der Performance.
Entsprechend abwechslungsreich war das Bild auf dem Wasser. Zu sehen waren Palau-Varianten und Backflips, Surf-Style-Elemente wie Hang Five, Carving und kleine Wellenmanöver im Ostsee-Chop sowie technisch anspruchsvolle New-School- und Wakestyle-Tricks mit Handlepasses und komplexen Rotationen.
Damit brachte der Clash Fahrstile zusammen, die sich innerhalb des Wingfoilens zunehmend in unterschiedliche Richtungen entwickeln – vom spielerischen Surf Style über spektakulären Big Air bis zu immer technischeren Wakestyle-Manövern.









Bühne für den Nachwuchs
Besonders deutlich wurde während des Wochenendes, welchen Stellenwert der Nachwuchs für das Konzept des SEND IT Wingfoil Clash hat.
Mit einem 1.000-Euro-Duotone-Gutschein für den „Breakthrough Rider“ wurde gezielt ein Nachwuchstalent ohne bestehendes Sponsoring ausgezeichnet. Der Preis ging 2026 an Eddy Möller. Einen weiteren Sonderpreis gab es mit 500 Euro für die „Best Girl Overall Performance“, den Marta Lippross gewann.
Doch Nachwuchsförderung bedeutete an diesem Wochenende mehr als Preise zu vergeben.
Jugendliche waren bereits bei der Entstehung und Durchführung des Events beteiligt. Sie brachten Ideen ein, halfen bei Organisation und Content, wirkten beim Judging mit und bauten sogar an den handgefertigten Pokalen. Hubert, Wilhelm und Konrad Christahl, Tjelle Just und Theo Buchwald gehörten zu den jungen Akteuren, die den Clash auch hinter den Kulissen mitprägten.
Der Gedanke dahinter ist spannend: ein Jugend-Event, das zunehmend gemeinsam mit den Jugendlichen selbst entwickelt wird.
„Save Our Playgrounds“: Verantwortung für den eigenen Spot
Zu diesem Community-Gedanken gehörte am Samstag auch eine Aktion, die sportlich vielleicht kaum Punkte bringt, langfristig aber umso wichtiger ist.
Unter dem Motto „Save Our Playgrounds“ machten sich Jugendliche und weitere Teilnehmer gemeinsam daran, den Strand und das Eventareal von Müll zu befreien. Auch während des Wettbewerbs wurde Müll, der im Wasser entdeckt wurde, mit an Land gebracht und entsorgt.
Besonders aufmerksam gingen die Teilnehmer mit den sensiblen Dünenbereichen um. Die geschützten Flächen blieben unbetreten. Wo Müll innerhalb der Dünen lag, wurde versucht, ihn mit langen Stangen von außerhalb herauszuholen. Gleichzeitig achtete das Team während des gesamten Wochenendes darauf, das Veranstaltungsareal möglichst sauber zu halten.
Damit bekam der Nachwuchsgedanke noch eine weitere Dimension: Wer seinen Sport liebt, übernimmt auch Verantwortung für die Orte, an denen er ihn ausübt.
Gerade für junge Fahrer ist das vielleicht eine der nachhaltigsten Botschaften eines solchen Wochenendes: Ein guter Wingfoil-Spot besteht eben nicht nur aus Wind, Wasser und Wellen – er ist ein Naturraum, den die Community gemeinsam nutzt und schützt.
Internationale Pros bei der Siegerehrung
Für ein besonderes Finale sorgte am Sonntagnachmittag die Siegerehrung. Mit Wesley Brito, Jeffrey Spencer, Finn Spencer, Mala’e McElheny, Tom Aubert und Henning Nockel war ein großes internationales Duotone-Aufgebot vor Ort. Auch Foil Designer Jérôme Bonieux nahm teil, während Klaas Voget als Division Manager Product & Marketing Wing Foiling Grußworte an Fahrer, Familien, Helfer und Zuschauer richtete.
Gerade für die jungen Teilnehmer dürfte es ein besonderer Moment gewesen sein, ihre Preise vor einigen der bekanntesten Fahrer der internationalen Szene entgegenzunehmen.


Die Sieger des SEND IT Wingfoil Clash 2026
Im Boardercross gingen die Klassensiege an Tebbe Voget (U12), Emil Schacht (U14), Eik Eberlein (U16), Hubert Christahl (U19), Hannes Böhm (Men) und Marni Bertram (Women).
Im Freestyle standen Tebbe Voget (U12), Emil Schacht (U14), Theo Buchwald (U16), Pit Hausberg (U19), Hannes Böhm (Men) und Marni Bertram (Women) ganz oben.
Damit gelang Tebbe Voget, Emil Schacht, Hannes Böhm und Marni Bertram sogar der Sieg in beiden Disziplinen ihrer jeweiligen Klasse.




Mehr als ein Contest
Dass das Wochenende funktionierte, lag offensichtlich auch an seinem kompakten Charakter. Camping, Fahrerlager, Judge Tower, Zuschauerbereich und Wasser lagen am AHOI CAMP dicht beieinander. Training, Wettkampf, gemeinsames Zuschauen und abendliches Zusammensitzen gingen dadurch fast fließend ineinander über. Zwei Rettungssanitäter, ärztliche Betreuung und Jetskis für Rescue und Assistenz sorgten parallel für den Sicherheitsrahmen; laut Veranstalter verlief das Wochenende verletzungsfrei.
So wirkte der SEND IT Wingfoil Clash letztlich weniger wie ein klassischer Contest, bei dem es ausschließlich um Ergebnisse geht, und mehr wie ein gemeinsames Wingfoil-Wochenende mit Wettkampf auf hohem Niveau.
Sportliche Entwicklung, Nachwuchsförderung, Verantwortung für den Spot und die aktive Beteiligung junger Fahrer greifen dabei erstaunlich gut ineinander.
Und offenbar soll es weitergehen: Nach der positiven Resonanz planen die Organisatoren bereits eine Neuauflage im Herbst 2027 auf Fehmarn. Boardercross, vielseitiger Freestyle, Nachwuchs- und Frauenförderung sowie die Mitgestaltung durch Jugendliche sollen dabei weiterentwickelt werden.
Wenn der Ansatz weitergeführt wird, dürfte der SEND IT Wingfoil Clash damit vor allem eines bleiben: ein Event, bei dem die nächste Generation der Wingfoil-Szene nicht nur fährt – sondern selbst mitgestaltet.





