Fast einen ganzen Tag auf dem Foil, 369 Halsen und mehr als 800 Kilometer Strecke: Der Neuseeländer Jeremiah McDonald hat vor der norwegischen Küste eine neue Dimension des Langstrecken-Wingfoilens erreicht. Mitentscheidend waren neben seiner körperlichen und mentalen Leistung ein starkes Begleitteam – und Material, das über viele Stunden möglichst effizient und berechenbar funktionieren musste.
Am 18. Juli 2026 um 6:09 Uhr steigt Jeremiah McDonald vor der Insel Giske an der norwegischen Westküste auf sein Foil. Als er am folgenden Morgen um 5:46 Uhr seinen Versuch beendet, liegen 23 Stunden und 37 Minuten auf dem Wasser hinter ihm – und nach Angaben seines Teams 805,1 zurückgelegte Kilometer.
Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 18,4 Knoten beziehungsweise gut 34 Kilometern pro Stunde. McDonalds Team und sein Ausrüster ENSIS werten die Leistung als neuen 24-Stunden-Weltrekord im Wingfoilen. Eine formale Anerkennung durch Guinness World Records oder eine vergleichbare unabhängige Instanz ist in den bislang verfügbaren Veröffentlichungen allerdings noch nicht ausgewiesen. Unabhängig davon ist die dokumentierte Distanz eine außergewöhnliche sportliche Bestmarke.
Die erste große Hürde: 500 Kilometer in zwölf Stunden
Der 24-Stunden-Versuch bestand für McDonald aus mehreren Etappen – zumindest im Kopf. Sein erstes Ziel lautete, innerhalb von zwölf Stunden die Marke von 500 Kilometern zu erreichen.
Bereits zu Beginn geriet dieser Plan ins Wanken. Zwei frühe Stürze kosteten Zeit, sodass McDonald seinem Zeitplan über Stunden hinterherfuhr. Erst unmittelbar vor Ablauf der zwölf Stunden erreichte er die anvisierte Marke. Nach Angaben seines Teams standen zu diesem Zeitpunkt rund 501,7 Kilometer auf dem Tracker – bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 22,6 Knoten.
Was für die meisten Wingfoiler bereits weit jenseits jeder vorstellbaren Session liegt, war für McDonald erst die Hälfte des Versuchs.
Von diesem Moment an ging es weniger um Geschwindigkeit als um das Durchhalten. Die Temperaturen sanken, die Müdigkeit nahm zu und selbst das sonst automatisierte Halten der Foilhöhe wurde zunehmend zur Konzentrationsaufgabe. Besonders die letzten 90 Minuten beschrieb McDonald später als den härtesten Abschnitt der gesamten Herausforderung.

172 Kilometer am Stück auf dem Foil
Auch die weiteren Zahlen zeigen, welche fahrerische Konstanz für eine solche Distanz notwendig ist. McDonalds längster durchgehender Flug auf dem Foil soll 172 Kilometer betragen haben. Insgesamt absolvierte er während des Versuchs 369 Halsen.
Jede einzelne davon bedeutete nach vielen Stunden ein zusätzliches Risiko: ein kurzer Konzentrationsfehler, ein Touchdown oder ein Sturz hätte Kraft und wertvolle Zeit gekostet. Gerade bei einem Langstreckenversuch zählt deshalb nicht nur die maximale Geschwindigkeit. Entscheidend ist, wie kontrolliert, effizient und fehlerfrei ein Fahrer sein Material über sehr lange Zeit bewegen kann.
Allein auf dem Board – aber nicht allein unterwegs
Obwohl McDonald allein auf dem Foil stand, war die Bestmarke keine Einzelleistung. Ein Sicherheitsboot und ein kleines Team mit medizinischer Erfahrung begleiteten den Versuch auf dem Wasser. Weitere Helfer beobachteten die Bedingungen vom Land aus.
Über das Tracking-System Trace wurde seine Fahrt zudem live aufgezeichnet. Familie, Freunde und Unterstützer verfolgten seinen Fortschritt teilweise von der anderen Seite der Welt und hielten über Telefonate Kontakt zu ihm.
Gerade während der Nacht wurde diese Verbindung offenbar zu einem wichtigen Faktor. Körperliche Erschöpfung, Kälte und die monotone Wiederholung der immer gleichen Abläufe machen einen solchen Versuch zunehmend zu einer mentalen Herausforderung. Die Stimmen seines Teams erinnerten McDonald daran, dass er trotz der einsamen Stunden auf dem Wasser nicht auf sich allein gestellt war.



ENSIS DOUBLE ACE: Effizienz statt kurzfristiger Spitzenleistung
McDonald absolvierte seinen Rekordversuch mit dem neuen ENSIS DOUBLE ACE. Der Race-Wing gehört zur kompromisslos auf Geschwindigkeit und Effizienz ausgerichteten ACE-Serie der Schweizer Marke.
Anders als ein klassischer Single-Skin-Wing besitzt der DOUBLE ACE ein vollständig doppellagiges Tuch. Zwischen den beiden Canopy-Schichten entsteht ein aerodynamisch definiertes Profil, das durch Ram-Air-Einlässe stabilisiert wird. Die Öffnungen lassen während der Fahrt Luft zwischen die Schichten strömen und sollen sich bei entstehendem Gegendruck schließen.
Hinzu kommen eine vergleichsweise schmale Fronttube, ein Dyneema-Airframe und ein Carbon-Verstärkungsband entlang der Leading Edge. Ziel dieser Konstruktion ist es, den Wing auch bei hoher Belastung formstabil zu halten und den aerodynamischen Widerstand zu reduzieren. Gefahren wird er mit einem durchgehenden Boom. Der DOUBLE ACE ist außerdem als Serienmaterial für internationale Formula-Wing-Regatten bei World Sailing registriert.
Bei einem Rekordversuch über mehr als 800 Kilometer dürfte weniger die absolute Spitzengeschwindigkeit ausschlaggebend gewesen sein als die Fähigkeit, über viele Stunden konstanten Vortrieb zu liefern. Ein Wing, der unruhig wird, seinen Druckpunkt stark verlagert oder dauerhaft viel Haltekraft verlangt, würde den Fahrer auf einer solchen Strecke zusätzlich ermüden.
Der Rekordversuch ersetzt natürlich keinen unabhängigen Materialtest. Er zeigt aber, dass das Konzept des DOUBLE ACE unter außergewöhnlicher Dauerbelastung funktioniert hat. Für ENSIS ist die Fahrt damit weit mehr als ein spektakuläres Teamrider-Projekt: Sie ist zugleich ein bemerkenswerter Praxiseinsatz für die neue Race-Technologie der Marke.




Eine neue Dimension des Langstrecken-Wingfoilens
Jeremiah McDonald ist 24 Jahre alt, stammt aus Neuseeland und startet seit 2022 bei internationalen Wingfoil-Wettbewerben. Zusätzlich bringt er Erfahrungen aus dem Rudersport und aus Adventure Races mit – eine Kombination, die bei der Vorbereitung auf eine derart lange Belastung sicherlich hilfreich war.
Seine Leistung zeigt, wie stark sich das Wingfoilen in kurzer Zeit weiterentwickelt hat. Während sich viele Rekordversuche bislang auf einzelne Überquerungen oder zwölf Stunden konzentrierten, verschiebt McDonald die Grenze nun in Richtung eines echten 24-Stunden-Ausdauersports.
Am Ende bleiben 805,1 Kilometer, 369 Halsen, fast ein kompletter Tag auf dem Wasser – und die Erkenntnis, dass bei solchen Herausforderungen Fahrer, Team, Bedingungen und Material als Gesamtsystem funktionieren müssen.
Für Jeremiah McDonald ist es eine außergewöhnliche persönliche Leistung. Für ENSIS ist es ein eindrucksvoller Einstand des DOUBLE ACE auf der ganz großen Langstrecke. Und für den Wingfoilsport ist es ein weiterer Hinweis darauf, welches Potenzial in dieser noch jungen Disziplin steckt.





