Wingfoil-Boardercross – Was bitte?

Gemeinsam vom Strand starten, über eine schwimmende Barriere springen oder die längere Außenlinie wählen, durch einen engen Slalom und zum Schluss ohne Wing-Antrieb Richtung Ziel pumpen: Beim SEND IT Wingfoil Clash 2026 auf Fehmarn kam einiges zusammen. Wingfoil-Boardercross heißt das Format. Zwei junge Rider haben entscheidend daran mitgearbeitet.

Stellt euch einen Rennkurs vor, auf dem nach dem nächsten Manöver schon eine völlig andere Aufgabe wartet. Gerade noch mit Druck im Wing unterwegs, dann das Hindernis vor dem Board, wenig später enge Richtungswechsel – und im Finale muss der mitgenommene Speed reichen, um ohne weiteren Windantrieb möglichst weit zu kommen. Wer regelmäßig foilt, kennt die einzelnen Anforderungen. Sie in einem Rennen hintereinander abzurufen, gibt ihnen eine neue Qualität.

Genau diese Kombination stand beim SEND IT Wingfoil Clash – AIR & CROSS vom 25. bis 27. September 2026 am AHOI CAMP in Altenteil auf Fehmarn auf dem Programm. Das Boardercross-Konzept verbindet Racing mit Hindernissen, unterschiedlichen Linien und einer Pump-Passage. Interessant wird es dort, wo die Aufgaben ineinandergreifen: Ein guter Abschnitt soll schließlich auch eine gute Ausgangslage für den nächsten schaffen.


Ein Kurs, mehrere Entscheidungen

Der vom Deutschen Wing Foil Club e.V. (DWFC) beschriebene Fehmarn-Kurs hatte eine klare Abfolge: gemeinsamer Strandstart, eine weiter draußen liegende Wendemarke, Hinderniszone auf dem Rückweg, enger Slalom und ein Finale ohne Wing-Antrieb. Mehrere Fahrer waren gleichzeitig unterwegs. Die hier beschriebenen Abläufe beziehen sich auf diese Veranstaltung; die konkrete Ausgestaltung eines Boardercross-Kurses kann sich weiterentwickeln.

Das klingt zunächst nach einem Slalom mit Extras. Aus Fahrerperspektive verändern diese Extras aber die Aufgabe über die gesamte Strecke. Wie viel Schwung bleibt nach dem Sprung? Welche Linie passt zum eigenen Können? Und wie sauber gelingt der letzte Richtungswechsel, bevor der Wing als Antrieb wegfällt? Daraus entsteht ein Rennen, bei dem jede Passage über ihren eigenen Streckenabschnitt hinauswirkt.


So funktionierte der Kurs auf Fehmarn

1. Strandstart: schnell ins Fahren kommen

Los ging es gemeinsam vom Strand in Richtung einer äußeren Wendemarke. Der Übergang vom Tragen des Materials ins Fahren gehörte damit bereits zum Wettbewerb. Wer zügig aufs Foil kam, konnte sich früh eine gute Ausgangslage erarbeiten.

Für die Fahrer steckt darin eine andere Startaufgabe als bei einer fliegenden Startlinie: Materialhandling, Timing und Beschleunigung müssen direkt zusammenpassen. Der Kurs verlangt seine erste saubere Umsetzung also schon auf dem Weg vom Ufer in die freie Fahrt.

Mit Wing und Board vom Strand ins Wasser: Der Übergang aufs Foil gehört beim Boardercross bereits zur Rennaufgabe.

2. Hinderniszone: springen oder außen herum?

Auf dem Rückweg wartete eine schwimmende Barriere. Über sie führte die direkte Linie. Wer den Sprung auslassen wollte, konnte das Hindernis auf einer längeren Strecke umfahren. Beide Wege waren Teil des Konzepts.

Damit bekommt die Hindernispassage eine taktische Ebene. Die kürzere Strecke ist zunächst ein Angebot. Ob daraus ein Vorteil wird, entscheidet sich auch daran, wie viel Fahrt nach der Landung übrig bleibt und wie schnell der Anschluss an den nächsten Abschnitt gelingt. Die Umfahrung kostet Distanz, kann für den jeweiligen Fahrer aber die verlässlichere Passage sein.

Aus dem Kursaufbau lässt sich deshalb eine reizvolle Frage ableiten: Welche Variante bringt mich insgesamt schneller weiter? Die Antwort muss im laufenden Rennen fallen – mit dem eigenen Sprungniveau, dem aktuellen Tempo und dem restlichen Kurs im Kopf.

Ein Fahrer in der Luft über der Hinderniszone. Der Fehmarn-Kurs bot neben dem Sprung auch eine längere Umfahrung.

3. Slalom: Tempo durch die Manöver tragen

Danach folgte ein enger Slalom. Jetzt waren schnelle Richtungswechsel und präzise Boardkontrolle gefragt. Wer zuvor am Hindernis Schwung verloren hatte, musste ihn in einen Abschnitt mitnehmen, der bereits die nächste technische Aufgabe stellte.

Hier liegt aus unserer Sicht ein wesentlicher Reiz der Kombination: Die Qualität eines Manövers zeigt sich auch im Ausgang. Mit welcher Geschwindigkeit und wie kontrolliert geht es in die nächste Passage? Beim Boardercross bekommt dieser Gedanke besonderes Gewicht, weil anschließend noch der Wechsel in die Pump-Phase ansteht.


4. Pump-Finale: ab dem Tor ohne Wing-Antrieb

Hinter einem Bojentor wurde der Wing am Handle gehalten und durfte keinen Windantrieb mehr liefern. Erlaubt waren laut DWFC Pumpen, Gleiten und Paddeln. Der Kurs führte 2026 bis an den Strand.

Wer schon einmal aus einer schnellen Fahrt in eine längere Pump-Sequenz gewechselt ist, kann sich die Herausforderung vorstellen: den Übergang treffen, einen Rhythmus finden und mit der verbleibenden Energie haushalten. Im Rennen kommt hinzu, dass Start, Hindernis und Slalom bereits hinter einem liegen.

Das Finale gibt dem letzten Slalomabschnitt dadurch zusätzliches Gewicht. Der mitgenommene Speed wird zur Reserve für die Schlussphase; anschließend zählen Foilgefühl und körperlicher Einsatz. Bis zum Strand kann also noch einmal eine andere Stärke gefragt sein als auf der Strecke zur äußeren Wendemarke.


Die Ideen kamen auch aus dem Fahrerfeld

Wichtige Impulse für das Format lieferten nach Darstellung des DWFC die beiden Duotone-Teamfahrer Hubert und Wilhelm Christahl. Ihre Erfahrungen aus nationalen und internationalen Slalomwettbewerben flossen in die Entwicklung ein.

Hubert setzte den Schwerpunkt auf das Pump-Finale ohne Wing-Antrieb. Wilhelm brachte Wendigkeit, Hindernisse und die Wahl zwischen unterschiedlichen Linien ein. Gemeinsam mit den jungen Fahrern entwickelte der Club daraus den konkreten Kurs für Fehmarn.

Das passt zum Anspruch des Clash, insbesondere Nachwuchs und Frauen eine attraktive Wettkampfbühne zu bieten und junge Athleten an der Gestaltung ihres Sports zu beteiligen. Auf Fehmarn wurde diese Mitgestaltung im Kurs sichtbar: Die Vorschläge der Rider bestimmten mit, welche Fähigkeiten im Rennen gefragt waren.


Welches Setup passt zu so einem Rennen?

Für passionierte Wingfoiler drängt sich die Materialfrage auf. Ein Kurs mit Beschleunigung, Sprüngen, engen Manövern und Pump-Passage verlangt, mehrere Eigenschaften gegeneinander abzuwägen. Wie gut passt das vertraute Setup zur gesamten Aufgabenfolge? Wo liegen seine Stärken, und wie zuverlässig lassen sie sich im Rennen abrufen?

Der DWFC sieht bei stark auf Höchstgeschwindigkeit ausgelegtem Material mögliche Nachteile in engen Manövern, bei Sprüngen und auf längeren Pump-Strecken. Das ist eine plausible Überlegung zum Kursprofil; ein Vergleichstest oder eine belastbare Rangfolge verschiedener Setups liegt dem Bericht nicht bei.

Eine konkrete Foil-Empfehlung lässt sich daraus deshalb nicht ableiten. Für die eigene Herangehensweise ist der Gedanke trotzdem interessant: Start, Hindernis, Slalom und Finale verlangen ein Setup, mit dem man die gesamte Runde kontrolliert zusammenbekommt. Wie sich dabei Materialwahl und Fahrtechnik auswirken, wäre eine spannende Frage für weitere Austragungen.

Bordercross Wingfoilen
Mehrere Fahrer gemeinsam auf dem Kurs: Im Boardercross wechseln sich Tempo, Linienwahl und technische Aufgaben ab.

Vom Strand aus sichtbar, auf dem Wasser variabel

Start, Schlüsselszenen und Ziel lagen nach Angaben des DWFC in Zuschauernähe. Von Fahrern, Publikum und Beteiligten berichtet der Veranstalter von sehr positiven Rückmeldungen. Am zweiten Wettkampftag wurde der Kurs spiegelverkehrt gefahren und bekam dadurch eine weitere Variante.

Für die Wirkung des Formats ist die Nähe zum Ufer ein Plus: Der Sprung, die längere Außenlinie und das Pump-Finale bieten konkrete Situationen, die sich direkt verfolgen lassen. Wer selbst foilt, erkennt darin zusätzlich die technischen Aufgaben und kann einschätzen, wie viel eine gelungene Passage wert sein kann.


Wie neu ist Boardercross – und wie geht es weiter?

Nach Kenntnis des DWFC wurde Wingfoil-Boardercross beim Clash erstmals in Deutschland als eigenständige Wettbewerbsdisziplin mit offizieller Wertung und Podiumsplätzen ausgetragen. Die Einordnung als Deutschlandpremiere stammt damit vom Veranstalter.

Für die Weiterentwicklung nennt der Club zusätzliche Kurselemente und individuell gestaltete Hindernisse als Möglichkeiten. Auch ein gut sichtbares Zieltor auf dem Wasser kommt anstelle eines Ziels am Strand infrage. Die Zuschauernähe und die längere Umfahrung als Alternative zum Sprung sollen erhalten bleiben. Ein festes Programm für die nächste Austragung ergibt sich daraus noch nicht.

Fehmarn liefert vor allem einen konkreten Ansatz dafür, wie vielseitig ein Wingfoil-Rennen angelegt sein kann. Die Spannung entsteht aus den Übergängen: vom Strand aufs Foil, aus dem Sprung in die nächste Linie, aus dem Slalom ins Pump-Finale. Für alle, die an ihrem Sport gerade die Mischung aus Speed, Technik und Foilgefühl mögen, steckt darin reichlich Reiz.


Quelle: DWFC, „Boardercross: Wenn die Jugend den Kurs vorgibt“, überarbeiteter Artikelentwurf vom 30. Oktober 2026, veröffentlicht über die DWFV. Angaben zu Veranstaltung, Kurs, Mitgestaltung und Rückmeldungen stammen aus diesem Veranstalterbericht. Die Betrachtungen zu Linienwahl, Manöverübergängen und Setup sind redaktionelle Einordnung.

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